Elberadweg 2016

15.12.2016

Elberadweg - 920 km durch Duetschland auf dem Klapprad - in 7 Tagen!

Lieber spät als nie, möchte ich euch gern einen Einblick geben, wie ich im September 2016 von Königstein nach Cuxhaven der Elbe quer durch Deutschland gefolgt bin.

Begleiter war mein treues Brompton, ausgestattet mit einer großen Tasche am Frontträgerblock. Dabei hatte ich nur das allernötigste, sprich 3 Sets Wäsche(warm,  normal, kalt), Kamera, Schlafsack, Zelt, und unterwegs dann immer essen und trinken im Supermarkt nachgekauft. Übernachtet habe ich im Zelt, meist auf Campingplätzen, 1 mal in einer Jugendherberge, 1 mal wild. 

 

Tag 1 – Königstein nach Meißen – 85 km

Los geht´s! Früh um 7 per Mitfahrgelegenheit zugestiegen, war ich gg. 13 Uhr in Dresden. Von hier mit der S-Bahn Richtung Bad Schandau, und in Königstein aussteigen. Mitten in der Sächsischen Schweiz, im Elbtal gehts also los. Die Elbe ist hier schon ein mächtiger, aber behäbig fliessender Fluss.

Knapp 24 Grad sowie wolkenfreier Himmel tun mit der wunderschönen Landschaft ihr übriges zum Wohlbefinden. Der Elbradweg ist sehr gut ausgebaut, und so geht es zügig Richtung Dresden zurück! 2mal verfahre ich mich aufgrund fehlender/ungünstiger Ausschilderung, aber das ist nicht schlimm. Zum „warmwerden“ hatte ich mich mit einem alten Arbeitskollegen in Dresden verabredet, mit dem ich ca. 2h am Fährgarten verplaudert habe. Inzwischen 17 Uhr, knappe 55 km sind drin, fahre ich weiter. Noch schnell ein Abendessen sowie Getränke eingekauft, geht es aus Dresden heraus, in den Sonnenuntergang hinein! Weiterhin sehr zügig auf dem gut ausgebauten Radweg muss ich in Meissen einsehen, dass es ohne Licht nicht mehr weit wird. So schlage ich kurz nach der Porzellanstadt mein Zelt unweit von 2 Anglern auf, so bin ich wenigstens sicher dass jemand in der Nähe ist.

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011012Tag 2 – Meißen nach Klöden – 127 – km

Früh wache ich ein ziemlich gerädert auf, und bin ein wenig am Zweifeln, ob ich das wirklich durchhalte. Trotz aller Bedenken ist der Start in den Tag ein schöner, leichter Nebel hängt über der weiten Elb-Ebene, die Sonne strahlt diesen aber zügig weg. Ein paar Pflasterstraßenstücke machen mich rasch wach, unübersichtliche Landstraßen-Umleitungen nerven, kaum Abwechslung in der Landschaft tut ihr übriges, Felder wohin das Auge sieht. Nach 65 km bei wolkenlosem Himmel erreiche ich ein wenig resigniert das Rittergut Dröschkau, und speise(selbst für mich als „Wahlmünchner“ ist Essen hier ganz schön teuer!).

Nach ausführlichem Mittag geht es weiter, und der Tag wird endlich besser! Entgegen aller Erwartungen zieht sich die Strecke nun merklich weniger, wird abwechslungsreicher und die Umleitungen weniger. Halb lustig, Halb erschrocken spreche ich unterwegs jemanden nach Wasser an(Sonntag! Keine Supermärkte!), dieser dreht sich mit Optimismus versprühendem T-Shirt der Band „Skrewdriver“ um, mustert mich und weist mich barsch ab. Nun gut, Wasser habe ich mir dann am Friedhofsbrunnen im nächsten Ort geholt.

Nach ca. 90 Kilometer treffe ich eine weiteren Fernradler, der sich ein wenig die Augen über mein Gefährt reibt. Gute 20 km quatschen wir und auf einmal fliegt die Zeit nur so! Kurz vor Priesitz hat er eine Unterkunft gebucht, ich fahre noch weiter. Nach 125 km bin ich über meine eigene Zähigkeit erstaunt, und beginne zu überlegen, wie fit ich morgen wohl sein werde nach dieser Anstrengung. Zuguterletzt finde ich, statt ein Einzelzimmer zu buchen, noch einen sehr schönen Campingplatz, schlage dort mein Zelt noch bei Tageslicht auf, und dusche erstmal ausgiebig.

Perfekt abschliessen konnte ich den Tag dann mit einem deftigen Mahl auf der Burg Klöden. Mit einem, wie sich im Gespräch herausstellt, Fahrlehrer wechsle ich aufbauende Worte und falle gegen 20:30 Uhr erschöpft in meinen Schlafsack.

Elberadweg Teil 2 - Die Elbe im Morgennebel

Elberadweg Teil 2 - Gewöhnungsbedürftiger Weg, kurz hinter RiesaElberadweg Teil 2 - Interessanter Wegweiser mit irreführenden KilometerangabenTag 3 – Klöden nach Magdeburg – 140 km

Dank Dusche, Abendbrot und der geschützten Lage des Campingplatzes fühle ich mich zum Start des 3. Tages deutlich erholter als am Vortag. Kurz nach 8(das wird im Verlauf der Tage meine mit Abstand frühester Start) verlasse ich Klöden mit direktem Ziel Wittenberg, welches kaum 30km entfernt liegt.

Zuerst über einsame Landstraßen, dann durch wunderschöne Moorlandschaften geht es zuerst, bis die Türme der Lutherstadt am Horizont erscheinen. Bei Coswig biege ich für ein paar Kilometer vom Elbradweg ab, um in Roßlau an der Wasserburg kurz zu verschnaufen(hier findet jährlich im Mai ein extraordinär gutes Ska-Musikfestival statt!). Über Steckby und an Barby vorbei geht es durch grüne, aber menschenleere Landschaften in Windeseile auf  Magdeburg zu. Ungläübig schaue ich auf den Tacho und erwische mich dabei, bereits 130 km geschafft zu haben. Die letzten 10 km nach Magdeburg sind hart, aber befriedigend. Ein Übernachtungsplan muss her, als Belohnung für meine bis dato längste gefahrene Tour checke ich in der Jugendherberge des DJH direkt neben dem Hundertwasserhaus ein. Mit den letzten Sonnenstrahlen im Gesicht laufe ich knapp 2 km zum „Café Zentral“, dessen vegane Burger und Wraps empfohlen werden. Dies kann ich uneingeschränkt so bestätigen! Trotz anschliessender 1,5l Cola schlafe ich zufrieden schnell ein.

 Elberadweg Tag 3 - Hindernisse sind im Preis inbegriffen!Elberadweg Tag 3 - Deich im Wald, kurz vor MagdeburgElberadweg Tag 3 - Die Elbe in Magdeburg

Tag 4 – Magdeburg nach Werben(Elbe) – ~150 km

 Aufgewacht, gefrühstückt und losgemacht! So langsam stellt sich Routine ein, und ganz so schwer wie nach dem 1. Tag sind die Beine auch nicht mehr beim losfahren. Zuerst durch „Hafenindustrie, dann Auenlandschaft geht es knapp 20 km nach Start direkt zum Hohenwarte-Schiffshebewerk am Mittellandkanal. Dahinter wird es erst einmal einsam, hinter Niegrip geht es über einsame Wege durch kleine Dörfer, teilweise mit recht fraglicher Straßenqualität. Die Sonne brennt erbarmungslos, und so mache ich bei km 65 kurz hinter Bittkau meine Mittagspause.

Frisch gestärkt geht es weiter, schon bei km 70 treffe ich meinen  Begleiter vom 2. Tag wieder. Wir quatschen ein wenig, er hat jedoch noch nicht zu Mittag gegessen, und so trennen sich unsere Wege am Ortseingang von Tangermünde auch schon wieder. Bis Arneburg gibt es mal mehr, mal weniger Schatten bei sengender Hitze, trotzdem geht es gut voran. Die Arneburger Innenstadt ist wirklich schön, und trotzdem biege ich hier einmal mehr falsch ab, und fahre fast 20 km Umweg… Ärgerlich!

Noch keine 5 km wieder auf dem richtigen Weg, Strecke bis dahin 113 km, meldet meine Garmin leere Akkus. Die vorsorgliche mitgenommene Powerbank will auch nicht, wird das jetzt eine Pechsträhne???

Na gut, erstmal gehts auch ohne GPS, muss ich halt umso genauer aufpassen. Allerdings wird der Weg hier ziemlich einsam, tlw auch mit schlechtem Belag und abenteuerlicher Führung durch die Wälder. Ständige Richtungswechsel machen die Orientierung zu einem „Gefühl“, dennoch halte ich Kurs(wundert mich heute im nachhinein tatsächlich). Inzwischen wohl um die 140 km hinter mir, schwinden die Kräfte und die Hoffnung einen annehmbaren Schlafplatz zu finden. Nirgends Zivilisation! Also einfach stumpf weiterfahren…

Plötzlich bin ich in Werben, klopfe bei einer nach der nächsten Pension an. Alle schon voll! Den letzten Vermieter  frage ich, ob ich einfach mein Zelt in seinem Gärtchen aufstellen kann. Daraufhin weist er mich auf das Schwimmbad hin, vllt gäb es da Möglichkeiten. So mache ich es, und habe plötzlich einen abgesicherten Shclafplatz inklusive Erfrischendem Freibad! So kann sich das Blatt also wenden :-)

Einen Supermarkt gibt es auch noch im Ort, ich versorge mich also, schwimme noch eine Runde. Anschliessend ist auch der Handyakku leer, aber das interessiert mich aufgrund der bewältigten Strecke nun wenig. Schlaaafen!

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Tag 5 – Werben(Elbe) nach Lanz am See – ~160 km

 Guten Morgen! Schon kurz nach 6 blinzle ich mich wach, schwimme kurz eine Runde, geniesse den Sonnenaufgang. Der Kiefernwald nebendran duftet himmlisch. Kurz eingekauft, und am Ortsrand, aufm Deich, Frühstück genossen. Dann geht es über rudimentäre, aber gut zu fahrende Wege erstmal gute 20 km auf der Deichkrone entlang. Nach kurzem Weg durch Uferwald geht es über eine Brücke, die Elbe überquerend, nach Wittenberge. Dort hab ich mir erstmal eine neue Powerbank gekauft, und den Radcomputer sowie das Handy wieder zum Leben erweckt.

Per Anliegerexpress werde ich zum Elbradweg zurück eskortiert,und auch heute ist mir das Wetter wieder sehr gewogen. Bei einer guten Portion Rückenwind geht es ziemlich fix voran, stetig am Deich entlang bei 30-35 Grad. Hier habe ich den ersten(und einzigen) Platten dieser Tour. Aber gute Vorbereitung ist alles, neues Schlauch, mit der CO2 Pumpe wieder aufgepumpt, weiter gehts! Wunderschöne, alte Häuser mit Strohdächern und endlose Auen ziehen vorüber, bei 140 km merke ich aber, dass ich dann doch nach einer Unterkunft auschauen sollte. Das GPS Navi empfiehlt mir den Lanzer See, ganz ohne Rücksicht auf die eigentlich geplante Route. Jeder Computer ist halt doch nur so schlau wie der Bediener!

Ein gepflegter Campingplatz, als ich jedoch mein Mini Zelt aufbau, und mit meinem (zusammengeklappten) Radl eine „Wäscheleine“ für meine Sachen spanne, komme ich mir doch ein klein wenig am falschen Platz vor^^ Gute 2 Stunden unterhalte ich mich mit meinen Nachbarn aus Holland, dann siegt die Müdigkeit kurz vor 9.

Elberadweg Tag 5 - Werben an der Elbe - Historische Innenstadt Elberadweg Tag 5 - Aussichtspunkt, ca 60km vor Hamburg Elberadweg Tag 5 - Zelt + Rad = Wäscheleine - Am Lanzer See

Tag 6 – Lanz am See nach Hansestadt Hamburg – 76 km

Wow, schon fast da! Bereits wenige Kilometer nach de mStart lasse ich die wirklich wunderschöne Altstadt von Lauenburg hinter mir(die Pflastersteine sind allerdings ziemlich grob zu Hintern und Handgelenken…), und fahre am „Hohen Elbufer“ entlang. Hier sammle ich auf recht groben Waldwegen wohl mehr Höhenmeter auf 10 km als jeweils gesamt in den einzelnen letzten Tagen. Dennoch ein lohnenswertes Stück mit ursprünglicher Natur!  Kurz hinter dem Atomkraftwerk Krümmel kommt auch schon Geesthacht, und das (trügerisch früh) Hamburg Ortseingangsschild.

Moment, Hamburg? Jetzt schon??? Ok, es geht noch ein klein wenig am Deich entlang… Moment, das sind jetzt schon… 15…20…25 km. Erst jetzt erscheint das eigentlich Hamburch vor mir. Über den „alten Industriehafen“ geht es Richtung Innenstadt. Ich lasse es mir nicht nehmen, kurz bei einem Brompton Händler vorbeizuschauen, und treffe mich dann mit einem Kumpel an den Landungsbrücken, wir streifen noch ein wenig durch die Stadt. Bei dem übernachte ich dann und regeneriere nach ein paar Bier gleich doppelt intensiv ;-)

Elberadweg Tag 6 - Brommie vor der Hamburger Elbphilharmonie Elberadweg Tag 6 - Hamburger Speicherstadt in Schwarz Weiss Elberadweg Tag 6 - Blick auf Hamburg, vom Michel aus - traumhaft!

Tag 7 – Hansestadt Hamburg nach Cuxhaven – 153 km

Von Harburg aus die Elbe bzw. den Elbradweg zu „treffen“, ist garnicht mal so einfach wie es sich anhört! Aufgrund der massiven Industrie geht es anfangs ständig über notorisch rot zeigende Ampeln, an LKW-Kolonnen und Schnellstrassen vorbei. Ab Finkenwerder sehe ich dann endlich wieder das geschwungene E, und die Strecke wird auch wieder gemütlicher. Staunend umfahre ich das Airbus Training Center, kurz danach umringen mich neben dem nun omnipräsenten Deich zahlreiche Obstplantagen. Heute ists mit 20 Grad fast schon kühl, sogar ein paar Regentropfen bekomme ich ab.

Zum Mittags gibts Pommes, mittendrin der kurze Gedanke, aufgrund der grauen Wolkendecke umzukehren oder den Bus zurück zu nehmen, dann ist auch noch das Sperrwerk Wischhafen im Weg, wo´s nicht drüber geht! Doch die Umfahrung weckt den Trotz in mir, und ich zähle die finalen Kilometer. Über Dornbusch, Wolfsbruch und Hamelwördenermoor umfahre ich das Sperrwerk, und schätze noch knappe 50 km bis zum Meer. Bei Hörne passiert es mir fast noch einmal, doch diesmal kenne ich das unscheinbare Schild zum Glück schon :-)

Kuz hinter Neuhaus(Oste) kommt die erste Ausschilderung nach Cuxhaven, 30 km noch!  10 km später dann das erste Mal Strand, und an jenen schlagende Wellen. Von nun geht es nur noch durch Schafweiden, inklusive Öffnen und Wiederverschliessen von Gattern, sowie fahren über, na ja, sagen wir „schmutzige Wege. Mit leichten Tunnelblick fahre ich ein ganze Stück am Strand und dem Cuxhavener Hafen vorbei, und plätzlich bin ich da. Ein langezogener Halbkreis, eine lange Rechtskurze, da ist die Nordsee! Kein Fluss mehr, sondern echtes Meer! Erschöpft geniesse ich den Blick von einer Bank, lasse die Gedanken schweifen, sicher eine Stunde lang, einfach geniessen. Kurzes Telefonat mit der Familie, ein Belohnungsbier, Foto mit Radl in den Händen, in Algen stehend. Nach knapp 2 Stunden am Strand dann zurück zum Cuxhavener Bahnhof, Rückreise Richtung Hamburg.

So kommen insgesamt 891 km zusammen, entlang der Elbe, einmal quer durch Deutschland. Trotz der körperlichen Strapazen eine tolle Tour, viel gesehen, viel gefahren, viel nachgedacht, viel Alltag beiseitegeschoben, Blut geleckt. Jedenfalls weiss ich jetzt, warum auch ein Donauradweg mit knappen 3000 km von manchen so sehr verehrt wird.

Elberadweg Tag 7 - EIn erster Leuchtturm! Meer kann nicht mehr weit sein Elberadweg Tag 7 - Brommie blickt auf Meer Elberadweg Tag 7 - Angekommen am Meer!